Klimarisikoindex
1. Was ist dieser Index genau?
Der Index bewertet die Verwundbarkeit der öffentlichen Infrastruktur (Gebäude, Straßen, Versorgungsnetze) auf einer Skala von 0 (kein Risiko) bis 10 (extremes Risiko). Er nutzt das hochentwickelte Risikomodell K.A.R.L. der Köln.Assekuranz und basiert auf den neuesten CMIP6-Klimamodellen, die auch der Weltklimarat (IPCC) verwendet.
Untersuchte Gefahren:
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Thermisch: Hitze, Hitzewellen, Wasserknappheit, Dürrestress.
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Hydrologisch: Starkregen, Überschwemmungen, Sturmfluten.
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Meteorologisch: Stürme, Tornados, Hagel.
2. Wer sind die "Risiko-Hotspots"?
Die Analyse zeigt eine klare geografische Spaltung. Besonders gefährdet sind der Nordwesten sowie Städte an großen Flüssen.
| Rang | Region | Indexwert (2025/2050) | Hauptgefahr |
| 1. | Wilhelmshaven | 5,7 $\rightarrow$ 5,9 | Sturmflut, Sturm, Starkregen |
| 2. | Wesermarsch | 5,6 $\rightarrow$ 5,8 | Sturmflut, Sturm |
| 3. | Emden | 5,5 $\rightarrow$ 5,6 | Überschwemmung, Sturm |
| ... | Mannheim / Heidelberg | Hoch | Hitzestress, Fluss-Hochwasser |
| Letzter | Kempten (Allgäu) | 2,8 $\rightarrow$ 3,1 | Geringstes Gesamtrisiko |
Die "neue" Gefahr: Hitzestress
Während Stürme heute fast alle Regionen betreffen (Indexwerte oft > 7,5), ist Hitzestress die am stärksten wachsende Gefahr. Bis 2050 werden 372 von 400 Regionen massiv unter Hitzestress leiden (Index > 3), wobei der Osten Deutschlands (Brandenburg) besonders betroffen ist.
3. Was können wir für die Zukunft lernen?
Die Studie ist kein Schicksalsspruch, sondern ein Handlungsauftrag. Folgende Lehren lassen sich ziehen:
A. Klimaanpassung als "Daseinsvorsorge"
Bisher war Klimaschutz (Vermeidung von CO2) das Hauptthema. Der Index zeigt, dass Klimaanpassung (Schutz vor Folgen) nun zur Pflichtaufgabe der Kommunen werden muss. Das bedeutet:
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Schwammstädte bauen: Entsiegelung von Flächen, um Starkregen aufzunehmen.
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Hitzeresilienz: Mehr Grün und Verschattung in Städten wie Mannheim oder Berlin.
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Küstenschutz: Verstärkung von Deichen und Sperrwerken im Nordwesten.
B. Die Finanzierungslücke schließen
Experten warnen im Rahmen der Studie massiv: Vielen Kommunen fehlt schlicht das Geld. Während reiche Städte investieren können, drohen strukturschwache Regionen (die oft hohe Risiken haben) abgehängt zu werden.
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Forderung: Klimaanpassung muss als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankert werden, damit Bund und Länder die Kosten dauerhaft mit tragen.
C. Investitionen lenken
Für Unternehmen und Immobilienbesitzer ist der Index ein Kompass. Investitionen in "Risiko-Hotspots" müssen künftig zwingend mit baulichen Schutzmaßnahmen (z.B. Rückstausicherungen, hitzeabweisende Fassaden) einhergehen, um versicherbar zu bleiben.
Der IW-Ergo-Index macht das abstrakte Klima-Risiko lokal messbar. Er zeigt, dass kein Ort in Deutschland ohne Risiko bleibt, die Art der Bedrohung sich aber massiv unterscheidet. Die Kernbotschaft: Wir müssen jetzt in die Infrastruktur investieren, bevor die Schäden (wie 2025 in Los Angeles gesehen) die Kosten der Prävention bei weitem übersteigen.
Klimarisikoindex: Deutschland ist immer stärker bedroht Dieses Video erklärt anschaulich die Konzepte hinter Klimarisikoindizes und warum auch Industrienationen wie Deutschland zunehmend verwundbar werden.
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