netzbildende Batteriespeicher (engl. Grid-Forming Energy Storage Systems)

Bisher sorgten die rotierenden Massen von Großkraftwerken (Synchrongeneratoren) für die nötige Trägheit im Netz, um Frequenzschwankungen sofort abzufangen. Da diese Kraftwerke vom Netz gehen, müssen Batterien diese Aufgabe übernehmen.

1. Was versteht man darunter? (Die Technik)

Bisher sorgten die rotierenden Massen von Großkraftwerken (Synchrongeneratoren) für die nötige Trägheit im Netz, um Frequenzschwankungen sofort abzufangen. Da diese Kraftwerke vom Netz gehen, müssen Batterien diese Aufgabe übernehmen.

  • Grid-Following (Standard): Der Wechselrichter misst die Spannung im Netz und speist Strom passend dazu ein. Bricht das Netz zusammen, schaltet er ab.

  • Grid-Forming (Netzbildend): Der Wechselrichter verhält sich wie eine spannungsgesteuerte Quelle. Er gibt die Frequenz (50 Hz) und Spannung aktiv vor. Er bietet eine sogenannte virtuelle Trägheit (Virtual Inertia).

  • Schwarzstartfähigkeit: Diese Speicher können ein komplett stromloses Netzsegment eigenständig "hochfahren", ohne dass ein externes Signal nötig ist.


2. Regulatorische Entwicklungen 2025/2026

Lange Zeit gab es für diese Leistungen keine Vergütung, weshalb der Anreiz für Investoren gering war. Das hat sich massiv geändert:

  • VDE-AR-N 4110 (Novelle 2025): Die technischen Anschlussregeln für die Mittelspannung definieren nun klar, welche Anforderungen Speicher erfüllen müssen, um als "netzbildend" zu gelten. Dies schafft Rechts- und Planungssicherheit für Betreiber.

  • Markt für Momentanreserve: Seit Januar 2026 haben die deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) die marktgestützte Beschaffung von Momentanreserve gestartet. Damit gibt es erstmals einen dedizierten Markt, auf dem die Bereitstellung von Trägheit durch Batterien direkt bezahlt wird.

  • EU-Harmonisierung: ENTSO-E (der Verband europäischer Netzbetreiber) arbeitet an Leitfäden, um diese Anforderungen europaweit zu vereinheitlichen, was den Export von Technologie und grenzüberschreitende Dienstleistungen erleichtert.


3. Marktchancen und Geschäftsmodelle

Der Markt wandelt sich von reiner Energieverschiebung (Arbitrage) hin zu komplexen Systemdienstleistungen:

Chance Beschreibung
Momentanreserve Vergütung für das sofortige Reagieren auf Frequenzänderungen (innerhalb von Millisekunden).
Netzwiederaufbau Stadtwerke und Netzbetreiber zahlen für die Fähigkeit, lokale Netze nach einem Blackout wieder hochzufahren.
Vermeidung von Netzausbau "Netzbooster"-Projekte nutzen Batterien als Puffer, um bestehende Leitungen höher auszulasten, ohne sie physisch zu verstärken.
Hybrid-Anlagen Kombination aus Wind/Solar und netzbildendem Speicher, die als "echte" Kraftwerke agieren und feste Einspeisezusagen machen können.

4. Aktueller Marktüberblick

Der Markt für netzbildende Wechselrichter erlebt 2026 seinen kommerziellen Durchbruch:

  • Großprojekte: In Deutschland gehen 2026 erstmals Speicherprojekte im Gigawatt-Maßstab ans Netz (z. B. von Entwicklern wie Kyon Energy oder Vattenfall), die gezielt auf diese Funktionen setzen.

  • Hersteller-Wettlauf: Führende Hersteller wie SMA, Siemens Energy, Huawei und Hitachi Energy haben ihre Portfolios massiv auf netzbildende Algorithmen umgestellt.

  • Wirtschaftlichkeit: Während netzbildende Wechselrichter in der Anschaffung etwa 10–15 % teurer sind als Standardmodelle, ermöglichen sie durch die Teilnahme am Stabilitätsmarkt zusätzliche Erlösströme, die den ROI (Return on Investment) oft sogar verkürzen.

Fazit: 2026 ist das Jahr, in dem Batterien von "passiven Mitläufern" zu den "Dirigenten" des Stromnetzes aufsteigen.

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