Entwarnung bei Heizkosten: EU-CO2-Preis belastet deutsche Haushalte kaum.“
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Das Prinzip: Es gibt eine EU-weite Obergrenze für CO2 („Cap“), die jedes Jahr sinkt. Wer CO2 ausstößt, muss Zertifikate kaufen („Trade“).
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Der Unterschied zu heute: In Deutschland haben wir bereits ein nationales System (nEHS) mit Festpreisen (2025: 55 €/t). Ab 2027/2028 geht dieses in den EU-weiten Markt über.
Die Kernergebnisse der Bertelsmann-Studie (Januar 2026)
Die Analyse „Heizt sich die Ungleichheit auf?“ kommt zu dem Schluss, dass die Panik vor einer „CO2-Kosten-Explosion“ für die meisten deutschen Haushalte unbegründet ist.
1. Warum Deutschland kaum betroffen ist
Da Deutschland bereits einen nationalen CO2-Preis hat, der 2026 zwischen 55 und 65 Euro liegen wird, ist der Sprung zum EU-Preis (angenommen 60 Euro für 2028) minimal.
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Zusatzkosten: Im Schnitt nur ca. 17 Euro pro Jahr pro Haushalt in Deutschland.
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EU-Vergleich: Haushalte in Ländern ohne bisherigen CO2-Preis (z. B. in Osteuropa) müssen mit deutlich höheren Sprüngen rechnen.
2. Die „Härtefälle“
Trotz der Entwarnung für den Durchschnitt gibt es vulnerable Gruppen, für die die Kosten steigen:
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Haushalte in unsanierten Gebäuden: Wer in einem alten Haus mit Ölheizung lebt, kann bei einem (pessimistischeren) Preisszenario von 180 €/t CO2 mit Mehrkosten von über 700 Euro pro Jahr konfrontiert werden.
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Mieter-Vermieter-Modell: In Deutschland werden die CO2-Kosten seit 2023 zwischen Mieter und Vermieter aufgeteilt (je schlechter die Sanierung, desto mehr zahlt der Vermieter). Das federt die Kosten für Mieter zusätzlich ab.
Der soziale Schutzschirm: Klimasozialfonds (SCF)
Um die Akzeptanz für den Klimaschutz zu sichern, startet die EU den Klimasozialfonds.
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Volumen: Insgesamt 65 Milliarden Euro (2026–2032).
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Anteil Deutschland: Deutschland erhält etwa 8 % der Mittel (ca. 5,3 Mrd. Euro), muss diese aber durch nationale Gelder auf rund 7,1 Mrd. Euro aufstocken.
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Zweck: Die Gelder dürfen nicht einfach „verpulvert“ werden. Sie sollen für gezielte Investitionen genutzt werden:
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Förderung von Wärmepumpen für einkommensschwache Haushalte.
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Sanierung von Sozialwohnungen.
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Ausbau des ÖPNV.
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Temporäre direkte Einkommensstützungen (ähnlich dem geplanten Klimageld).
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Daten für deine Grafik / Infobox
Hier ein Vergleich der Preispfade, die in der Debatte oft genutzt werden:
| Jahr | System | Preis pro Tonne CO2 (geschätzt/fix) |
| 2025 | National (nEHS) | 55 € (fix) |
| 2026 | National (nEHS) | 55 – 65 € (Korridor) |
| 2028 | EU ETS 2 | ~ 60 € (Bertelsmann-Prognose) |
| 2030 | EU ETS 2 | 45 – 150 € (je nach Marktentwicklung) |
Hinweis zur Preisbremse: Die EU hat einen Mechanismus eingebaut: Sollte der Preis vor 2030 über 45 Euro (in Preisen von 2020, inflationsbereinigt also ca. 55-60 €) steigen, werden zusätzliche Zertifikate freigegeben, um den Markt zu beruhigen.
Zertifikate