Erhöhung der Netzkapazität
Der Ausbau und die Erneuerung der Stromtrassen in Deutschland sind ein zentraler Pfeiler der Energiewende. Es handelt sich nicht um ein einzelnes, abgeschlossenes Projekt, sondern um eine Vielzahl von Maßnahmen, die im Netzentwicklungsplan (NEP) der Übertragungsnetzbetreiber und der Bundesnetzagentur festgelegt sind.
Hier sind die wichtigsten Punkte zu den erneuerten und neu gebauten Trassen, den Gründen und den Kosten:
1. Gründe für den Netzausbau (Warum?)
Der Hauptgrund für den massiven Aus- und Umbau des Höchstspannungsnetzes ist die Energiewende:
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Transport des Windstroms: Ein Großteil des in Deutschland erzeugten Windstroms wird im Norden (Nord- und Ostsee) und Osten erzeugt, während die großen Industriezentren und Verbraucher im Süden liegen. Das bestehende Netz ist nicht darauf ausgelegt, diese großen Mengen über weite Strecken zu transportieren.
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Anbindung von Offshore-Windparks: Die Windparks auf See müssen über leistungsstarke Kabel an das Übertragungsnetz an Land angeschlossen werden.
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Integration Erneuerbarer Energien: Das Netz muss flexibler und robuster werden, um die fluktuierende Einspeisung von Wind- und Solarenergie sicher aufnehmen und verteilen zu können.
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Erhöhung der Versorgungssicherheit: Durch neue und modernisierte Trassen (z. B. Umstellung von 220 kV auf 380 kV) wird das Netz leistungsfähiger und weniger anfällig für Engpässe.
2. Wichtige (neue und erneuerte) Trassen
Es gibt zahlreiche Einzelprojekte (gesetzlich im EnLAG und BBPlG festgeschrieben), von denen die wichtigsten oft als "Stromautobahnen" (oder HGÜ-Korridore, Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) bezeichnet werden.
| Name/Korridor | Art der Maßnahme | Grobe Streckenführung |
| SuedLink | Neubau (überwiegend Erdkabel - HGÜ) | Nord (Schleswig-Holstein/Niedersachsen) $\rightarrow$ Süd (Bayern/Baden-Württemberg) |
| SuedOstLink | Neubau (überwiegend Erdkabel - HGÜ) | Nordost (Sachsen-Anhalt) $\rightarrow$ Südost (Bayern) |
| A-Nord / Rhein-Main-Link | Neubau (überwiegend Erdkabel - HGÜ) | Nordwest (Niedersachsen) $\rightarrow$ West (Nordrhein-Westfalen/Hessen) |
| Ostküsten-Leitung | Erneuerung und Neubau (Wechselstrom) | Anbindung der Ostsee-Windparks und Verstärkung des Ostnetzes |
| Rülzheim-Tübingen (P39) | Erneuerung (von 220 kV auf 380 kV) | Pfalz $\rightarrow$ Baden-Württemberg (Netzverstärkung im Süden) |
Erneuerung vs. Neubau: Viele Projekte sind keine komplett neuen Trassen in neuen Korridoren, sondern Netzverstärkungen, bei denen bestehende Leitungen durch leistungsfähigere (meist 380 kV statt 220 kV) ersetzt oder aufgerüstet werden (z. B. auf derselben Trasse).
3. Gesamtkosten (Wieviel hat das gekostet?)
Die Kosten für den Netzausbau sind enorm und steigen aufgrund von Materialkosten, Genehmigungsverfahren und dem Vorrang für teurere Erdkabel kontinuierlich an.
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Gesamtinvestitionsvolumen: Aktuelle Schätzungen der Bundesnetzagentur und Studien gehen von einem Gesamtinvestitionsbedarf für den Ausbau aller Stromnetze (Übertragungsnetz und Verteilnetz) bis 2045 von rund 450 bis über 650 Milliarden Euro aus.
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Übertragungsnetz (Höchstspannung): Allein für das Höchstspannungsnetz (die großen Trassen) wird mit einem Bedarf von ca. 250 bis 320 Milliarden Euro bis 2045 gerechnet.
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Einzelprojektkosten: Ein einzelnes großes HGÜ-Erdkabel-Projekt wie SuedLink wird voraussichtlich über 10 Milliarden Euro kosten.
Diese Kosten werden über die sogenannten Netzentgelte auf alle Stromverbraucher in Deutschland umgelegt.
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